Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II)

Im vorliegenden Ernährungsbericht werden der Lebensmittelverzehr und die daraus berechnete Nährstoffzufuhr auf der Grundlage von Daten der NVS II, differenziert nach Geschlecht, Alter und sozialer Schicht, analysiert und bewertet. Hierzu wurden die Verzehrdaten der beiden 24-Stunden-Recalls auf der
Basis einer aktualisierten Version des Bundeslebensmittelschlüssels (BLS-Version 3.02) ausgewertet.

Die hier dargestellten Daten unterscheiden sich von früher publizierten NVS IIDaten zum Lebensmittelverzehr und zur Nährstoffzufuhr (2008), die auf der Basis eines Interviews zu den Ernährungsgewohnheiten der letzten 4 Wochen und mit einer früheren BLS-Version (BLS II.4) berechnet wurden. Mit den 24-Stunden- Recalls wurde ermittelt, was die Teilnehmer der Studie in den letzten 24 Stunden gegessen und getrunken hatten. Die Recalls wurden 2 bis 6 Wochen nach den Interviews zu den Ernährungsgewohnheiten erhoben.

Im Rahmen der NVS II wurden deutschlandweit zwischen November 2005 und Januar 2007 insgesamt 19.329 Männer und Frauen im Alter von 14 bis 80 Jahren befragt.

Ausgewählte Ergebnisse der neuen Auswertung der NVS II:

Die Energiezufuhr liegt bei den Männern mit 2.252 Kcal/Tag im Bereich des Richtwertes für eine geringe körperliche Aktivität (Physical Activity Level (PAL) 1,4) und bei den Frauen mit 1.683 Kcal/Tag knapp darunter. Im Vergleich zu den Auswertungen der Interviews zu den Ernährungsgewohnheiten der letzten 4 Wochen, ist die Energiezufuhr bei den Männern um ca. 160 Kcal/Tag und bei den Frauen ca. 150 Kcal/Tag geringer.

Die Proteinzufuhr liegt bei beiden Geschlechtern mit etwa 14 Energieprozent (bezogen auf die Gesamtenergiezufuhr) im akzeptablen DGE-Zufuhrbereich. Frauen erreichen mit einem Anteil von ca. 49 % Kohlenhydraten an der Gesamtenergiezufuhr fast den DGE-Richtwert von 50 %. Männer unterschreiten mit einem Anteil von 45 % den DGE-Richtwert. Die Salzzufuhr beträgt bei Frauen 4,9 g/Tag und bei Männern 7,0 g/Tag. Damit liegen Frauen unter dem D-A-CH-Referenzwert für Speisesalz und Männer knapp darüber.
Im Vergleich zu den Auswertungen der Interviews zu den Ernährungsgewohnheiten der letzten 4 Wochen, ist die Salzzufuhr bei den Frauen um 3,3 g/Tag und bei den Männern 1,8g/Tag geringer. Die Zufuhr der meisten Vitamine und Mineralstoffe liegt im Bereich der D-A-CH- Referenzwerte (dies trifft nicht zu für Folat, Calcium und Jod sowie Eisen bei Frauen).

Die Energie- und Nährstoffzufuhr wird durch den sozialen Status beeinflusst.

  • Personen aus der oberen sozialen Schicht konsumieren weniger „Limonaden“, aber mehr Obst, unerhitztes Gemüse und Milcherzeugnisse als Personen der mittleren und unteren sozialen Schicht.

  • Insgesamt weisen Personen der oberen sozialen Schicht eine etwas günstigere Lebensmittelauswahl auf, als Personen der mittleren und unteren sozialen Schicht.

Der Orientierungswert für die Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,5 l/Tag, der sich auf energiearme bzw. energiefreie Getränke bezieht, wird mit etwa
2 l/Tag von Männern und Frauen erreicht.

  • Wasser macht mit 45 % bei den Männern und mit 49 % bei den Frauen den größten Anteil daran aus, gefolgt von Kaffee und Tee sowie „Kräuter und Früchtetee.

  • Die Trinkmenge von Limonaden nimmt bei beiden Geschlechtern ab der Gruppe der 19- bis unter 25-Jährigen über die Altersgruppe hinweg ab.

Die Zufuhr von Saccharose beträgt bei Männern 9,7 % an der täglichen Gesamtenergiezufuhr (= 55 g/Tag) und bei Frauen 11,6 % (= 49 g/Tag). Zum Vergleich: Die WHO nennt für zugesetzten Zucker einen Richtwert <10 Energieprozent/Tag (62,5 g/Tag für Männer und 50 g/Tag für Frauen).

Bei den Frauen zeigt sich insgesamt eine günstigere Lebensmittelauswahl, da Frauen mehr „Obst“ und „unerhitztes Gemüse“ essen und mehr „Wasser“ sowie „Kräuter- und Früchtetee“ trinken.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen im Alter von über 51 Jahren lässt sich eine günstigere Lebensmittelauswahl im Vergleich zu den jüngeren Altersgruppen beobachten. Die 51- bis 80-Jährigen essen mehr Fisch, Obst, Gemüse und Kartoffeln, aber weniger „Fleischerzeugnisse und Wurstwaren“, trinken weniger „Fruchtsäfte und Nektare“ sowie „Limonaden“, aber auch weniger „Wasser“ als die Jüngeren.

Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren sind die Hauptquellen für Fett und Protein sowie Vitamin B12, Eisen und Zink.

Auch Milch und Milcherzeugnisse sind eine wichtige Nährstoffquelle. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen stellen sie die Hauptquelle für Calcium und Jod dar.

„Alkoholfreie Getränke“ leisten insgesamt einen beachtlichen Beitrag zur Vitamin- und Mineralstoffzufuhr.

Ernährungsphysiologische Bewertung der DGE zu den neuen Auswertungen der NVSII

Der Anteil der energieliefernden Nährstoffe an der Energiezufuhr entspricht bei beiden Geschlechtern nicht den Referenzwerten. Es wird zu viel Energie über Fett und zu wenig über Kohlenhydrate zugeführt:

  • Der Anteil von Fett an der Energiezufuhr liegt sowohl bei Männern als auch bei Frauen in allen Altersgruppen oberhalb des Richtwerts von
    30 %.

  • Auch die Fettsäurenzusammensetzung entspricht sowohl bei Männern als auch bei Frauen nicht den Richtwerten. Bei beiden Geschlechtern übersteigt der Anteil gesättigter Fettsäuren den Richtwert von 10 % der Energiezufuhr und der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren liegt unterhalb des Richtwerts von 7 %.

  • Männer unterschreiten mit einem Anteil von ca. 45 % Kohlenhydraten an der Gesamtenergiezufuhr den Richtwert von 50 %.

  • Die Zufuhr der Ballaststoffe liegt bei Männern und Frauen mit 19 g/Tag bzw. 18 g/Tag deutlich unterhalb des Richtwerts von mindestens 30 g/Tag.

Die Deutschen essen zu wenig Lebensmittel pflanzlichen und zu viel tierischen Ursprungs:

  • Die von der DGE benannten Orientierungswerte für den Verzehr von Gemüse (mindestens 400 g/Tag) und Obst (mindestens 250 g/Tag) werden im Mittel weder von Männern noch von Frauen erreicht (Der Gemüseverzehr beträgt bei beiden Geschlechtern 124 g/Tag. Der Obstverzehr beträgt bei den Männern 132 g/Tag und bei den Frauen169 g/Tag).

  • Männer überschreiten mit 1 092 g/Woche die für die Beurteilung zugrunde gelegte Menge von 300 g bis 600 g Fleisch, Fleischerzeugnissen und Wurstwaren pro Woche. Bei Frauen liegt die Verzehrsmenge mit 588 g/Woche an der oberen Grenze.

Die von der DGE benannten Mengen für Fisch (fettarmer Seefisch: 80 g bis 150 g/Woche und fettreicher Seefisch: 70 g/Woche) werden von Männern und Frauen deutlich unterschritten.

Sowohl Männer als auch Frauen erreichen mit 154 g/Tag den Orientierungswert zum Verzehr von Milch und Milcherzeugnissen von 200 g bis 250 g/Tag nur zu zwei Dritteln. Auch die verzehrte Menge von Käse und
Quark liegt mit 38 g/Tag bei den Männern und 36 g/Tag bei den Frauen unter dem Orientierungswert von 50 g bis 60 g.

Limonaden und Fruchtsäfte und Nektare tragen bei Männern im Mittel zu 21 % und bei Frauen zu 14 % zur Flüssigkeitszufuhr über alkoholfreie Getränke bei. Männer trinken, insbesondere im Alter von 15 bis unter 25 Jahren, mehr „Fruchtsäfte und Nektare“ sowie „Limonaden“. Bei den 15- bis unter 19-Jährigen fällt auf, dass etwa ein Drittel ihrer Trinkmenge an alkoholfreien Getränken aus „Fruchtsäften und Nektaren“ sowie „Limonaden“ kommt. Hier besteht aus Sicht der DGE weiterhin ein hoher Aufklärungs- und Beratungsbedarf und es sollte verstärkt darauf hingewirkt werden, dass der Konsum von zuckergesüßten Erfrischungsgetränken, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, nicht noch weiter ansteigt, sondern deutlich gesenkt wird.

Trotz der ermittelten geringen Energiezufuhr überschreitet ein großer Teil der Bevölkerung den Richtwert für geringe körperliche Aktivität (48 % der Männer und 38 % der Frauen).

Quelle: ZVB, Rundschreiben 17/2013