Die Erste Deutsche Bäckerfachschule wird in den kommenden Monaten umfangreich modernisiert

Veränderte Aus- und Fortbildungsbedarfe für gut ausgebildete Fachkräfte aufgrund veränderter Marktbedingungen machen die Modernisierung der Bäckerfachschule in Olpe notwendig. So trägt das Vorhaben dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit kleiner mittelständischer Unternehmen (KMU) im Bäckerhandwerk in Nordrhein-Westfalen zu steigern. Gegenstand der geplanten Maßnahme ist die Modernisierung der Bäckereifachschule durch einen Aus- bzw. Umbau sowie einen Neubau im Bereich der Unterbringungszimmer. Daneben werden Unterrichtsräume und Werkstätten, die bisher an verschiedenen Stellen im Gebäude untergebracht sind, zusammengezogen und neu geordnet. Darüber hinaus wird die haustechnische Ausstattung unter Beachtung aktueller Brandschutzmaßnahmen angepasst. Nachfolgend finden Sie eine genaue Beschreibung des Vorhabens.

1. Vorhaben


Das Bäckerhandwerk bildet als handwerklicher Wirtschaftsbereich zahlreiche Besonderheiten ab; denn die Bäckerei hat sämtliche Anforderungen der gesamten Wertschöpfungskette zu meistern:

  • Produkt-/Dienstleistungsentwicklung,
  • Ressourcenmanagement (Einkauf, Lagerhaltung),
  • Produktion,
  • Veredelung,
  • Qualitätssicherung,
  • Logistik (Filial-/Großkundenbelieferung),
  • Marketing
  • Verkauf (Großkundenverträge, Endkundenverkauf (teilweise inkl. Marktgeschäft), Liefergeschäft)
  • Reklamationsbehandlung,
  • Retourenmanagement

Umfeld

Gesellschaftliche Bedeutung

Dem Bereich „Lebensmittel“ , dem Aspekt der Ernährungsqualität, besonders aber der Ökobilanz der Lebensmittelherstellung  kommt hohe gesellschaftliche und politische Bedeutung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene zu (z.B. aktuelle Initiativen „Wertschätzung für Lebensmittel“ der Landesregierung und „Save Food“ der FAO (UN)).

Die Frage der Ernährungsqualität ist gerade vor dem Hintergrund der Migration und der Demografie wichtig. Es gilt, den politisch eingeschlagenen Weg zu mehr Wertschätzung für Lebensmittel zu unterstützen.
Gleichzeitig entsteht gerade in Betrieben des Bäckerhandwerks ein hoher Bedarf an Energie: Teigbereitung, Kühlung, Backen in der Produktion, die Belieferung der Filialen, das Filialbacken und -Kühlen, die Ladenbeleuchtung usw. verlangen hohen Einsatz von Energie. Zum einen sind die steigenden Energiekosten betriebswirtschaftlich (gerade für kleine und mittlere Unternehmen) problematisch; zum anderen ist gesellschaftlich und politisch die Ausrichtung des Lebensmittelhandwerks auf Aspekte der Nachhaltigkeit ebenfalls unumgänglich.
Andererseits zwingt auch die Entwicklung im Bereich des Anbaus von Getreide zum Umdenken in Richtung möglichst regionaler Wertschöpfungsketten.

Marktanteil des Bäckerhandwerks

Umfassende Strukturveränderungen der letzten 15 Jahre im Marktumfeld (Ernährungsverhalten, Wettbewerb, Rohstoff- und Energiepreisentwicklung, zuletzt Einstieg in den Backwarenmarkt durch Discounter) verlangen von den Unternehmern neue Ansätze. Hierzu gehört die Entwicklung zielgruppen- und zeitgeistgerechter Angebote im Bereich Brot und Backwaren. Auch die Ausschöpfung des möglichen Zusatzgeschäfts wird für die Bäckerei als mittelständischer Handwerksbetrieb der Lebensmittelnahversorgung immer wichtiger. Hierzu gehört ein den jeweiligen Trend treffendes (bäckereikonformes) Snack- und Gastronomieangebot. Diese trendsetzenden Produkte und Dienstleistungen müssen vom Bäcker neben dem traditionellen Geschäft in seinem Umfeld gleichzeitig erfolgreich vermarktet werden.

Im Bereich der Aus-/Weiterbildung wird aktuell ein an der Wertschöpfungskette des Berufsbildes orientierter handlungs-/prozessorientierter Ansatz verfolgt. Hierbei wurden die Berufsbilder „Bäcker/in“ und „Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk“ bereits in den letzten Jahren aktualisiert und enthalten in den Rahmenlehrplänen und in den Prüfungsordnungen fachübergreifende Inhalt

strukturelle Bedeutung des Bäckerhandwerks

Gerade die kleinen und mittelgroßen Betriebe der ländlichen Regionen sind für NRW von zentraler struktureller Bedeutung. Die Beibehaltung der Filialen im ländlichen Raum, aber auch an problematischen Standorten der Ballungsgebiete, stellt sich betriebswirtschaftlich immer schwieriger dar. Deshalb gilt es, gerade die ländlich und dörflich angesiedelten Bäckereien, wie auch die Standorte in sozial problematischen Gebieten als selbstständige Unternehmen wirtschaftlich zu stärken; und zwar, um die regionale und ortsnahe Versorgung der (auch alternden) Bevölkerung mit gesunden und frischen Lebensmitteln und Lebensmitteldienstleistungen auf hohem Niveau zu sicher

Planungen zur Begegnung dieser Herausforderungen

Aus diesen Gründen wird der Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe, Bochum, seine Bildungsstätte „Erste Deutsche Bäckerfachschule“ als „Innovations- und Nachhaltigkeitszentrum Bäckerhandwerk 2025+“ weiter entwickeln.
Kern der Maßnahme ist der Ersatz der kleinen provisorischen Backstube durch eine "Modellbäckerei" mit Ladenlokal und Theoriebereich, die den gesamten Wertschöpfungsprozess der Bäckerei (Management, Teigbereitung, Kühlung, Backen inkl. Ladenbacken, Veredelung, Snack, Gastronomie, Präsentation und Verkauf) unter erlebbaren Nachhaltigkeitsaspekten abbildet.
Gleichzeitig sollen die derzeit nicht mehr zeitgemäßen Räumlichkeiten für die Verwaltung, für das Internat und die hiermit verbundene Freizeitgestaltung den aktuellen Ansprüchen angepasst werden. Die Anforderungen des Brandschutzes sollen auf höchstmöglichem Niveau umgesetzt werden.
Wir wollen ebenfalls ein Beispiel für die Inklusion behinderter Menschen in handwerkliche Berufe durch Umsetzung eines barrierefreien Zugangs geben.

2. Antragsteller

 

Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe

Wir vertreten die Interessen von ca. 650 handwerklichen Bäckereien in NRW mit rund 4.500 Verkaufsstellen und insgesamt ca. 26.000 Beschäftigten. In diesen Betrieben werden ca. 2.100 junge Menschen laufend ausgebildet. Der Frauenanteil im Bäckerhandwerk beträgt ca. 65 % aller Beschäftigten, hiervon ca. 25 % in Teilzeit.
Der Verband ist Träger des Vereins „Erste Deutschen Bäckerfachschule e.V.“ (zertifiziert nach DIN 9001:2015) und Eigentümer des entsprechenden Schulgebäudes Olpe. Ziel der bereits 1929 gegründeten Einrichtung (die ihre Bildungsmaßnahmen seit 1948 am Standort in Olpe betreibt) war und ist es, unter dem Leitbild "Lernen erleben" das Bäckerhandwerk in NRW durch trendsetzende Angebote in Aus- und Weiterbildung wirtschaftlich zu stärken.
Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks bezeichnete im November 2010 die Schule in Olpe als „eine der besten Schulen Deutschlands“.

3. Schulungskonzept "Bäckerhandwerk 2025+"

Gleichwertigen Stellenwert wie eine Nachhaltigkeit der Öko-Bilanz hat für uns die Nachhaltigkeit der Sozial-Bilanz (Flächenversorgung mit Handwerks-Lebensmitteln einschließlich Erhalt der Ausbildungs- und der qualifizierten Arbeitsplätze).

Die Ausrichtung im Hinblick auf Sozialbilanz verlangt dabei auch die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zu den wesentlichen Bereichen der Schule.
Im Rahmen des Konzeptes wollen wir unser Schulungsangebot ausbauen, bzw. restrukturieren, um folgendes zu erreichen:

  • Schon Auszubildende zur Übernahme ökologischer und sozialer Verantwortung motivieren
  • Meisterschüler mit den Ansätzen nachhaltigen Wirtschaftens und deren Umsetzung in der Ausbildung eigener Auszubildender (AdA) vertraut machen
  • Bäcker über betriebswirtschaftliche Möglichkeiten und Folgen energetischer Umrüstung informieren
  • Bäcker bei der Entwicklung nachhaltiger Strategien und eines eigenen Nachhaltigkeitsmanagements unterstützen (green-code-Entwicklung)
  • Konzepte entwickeln, um den Anspruch an Frische mit der Notwendigkeit der Nachhaltigkeit zu vereinen
  • Anregungen zur Vermarktung von nachhaltigen Ansätzen in den Regionen geben
  • Innovationsgeist in Bäckereien gezielt fördern
  • Möglichkeiten der Entwicklung und Umsetzung innovativer Produkte und Dienstleistungen aufzeigen und diese in Schulungen erlebbar machen
  • Strategien mit Teilnehmern erarbeiten, gezielt um die Wertschöpfung im klassischen Backwarenmarkt aber auch im Bereich des Zusatzgeschäftes zu erhöhen
  • Netzwerke für Bäcker schaffen, die sich mit Innovation und Nachhaltigkeit identifizieren (Workshops,  Erfa-Kreise)
  • Die Möglichkeiten zur Kooperation mit Hochschulen fördern.

4. Regionale Aspekte


In der Region Sauerland wird nach seriösen Berechnungen der demografische Wandel mit einem Bevölkerungsrückgang von bis zu 20 % sehr stark spürbar werden.
Auch ist das Angebot an Bildungseinrichtungen mit überregionaler Bedeutung im Landkreis und in der Stadt Olpe ausgesprochen überschaubar.

Durch den (landes- wie bundesweiten) Stellenwert der Schule in Olpe und dem regelmäßigen Besuch auch internationaler Gäste kommt der Bildungseinrichtung große Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Olpe zu.

5. Bauabschnitte

Um den laufenden Schulungsbetrieb nicht zu beeinträchtigen, aber auch um die Darstellung der Finanzierung zu vereinfachen, ist eine abschnittsweise Durchführung der Maßnahme geplant:

Abschnitt 0 Errichtung und Ausstattung Mensaerweiterung Ausstattung Kaffeeschulung
Abschnitt 1 Planung der baulichen und technischen Aussttattung
Abschnitt 2 Baubeginn Wohnheim, anschließend Einrichtung
Abschnitt 3 Baubeginn Barrierefreiheit, Umbau und Aussttatung Küche/ Mensa
Abschnitt 4 Errichtung Verbindungsbaukörper Neu-/Altbau
Abschnitt 5 Errichtung Modellbäckerei und Theorieräume, anschließend Ausstattung
Abschnitt 6 Energetische Sanierung Fenster/ Einbau Sanitäreinrichtungen "Nordtrakt"/ Herstellen neue Verwaltung
Abschnitt 7 Ausstattung Nordtrakt/ Aussttatung Verwaltung/ Wiederherstellung Außenanlagen

6. Finanzierung

Die Finanzierung dieses Vorhabens ausschließlich aus Eigenmitteln ist nicht möglich.
Daher ist eine Förderung aus Mitteln der öffentlichen Hand voraussichtlich wie folgt erforderlich:

Förderbetrag BAFA 2.791.800,00 € 45%
Förderbetrag Land 1.240.800,00 € 20%
Eigenbeteiligung 2.171.400,00 € 35%
Gesamt 6.204.000,00 € 100%